Was sind Deepfakes? Eine verständliche Erklärung

Ein Deepfake ist ein mit künstlicher Intelligenz erzeugtes oder verändertes Medium - ein Video, Bild, eine Tonaufnahme -, das täuschend echt wirkt, aber eine Realität zeigt, die es nie gab. Der Name verrät das Prinzip: "Deep" steht für die zugrunde liegende KI-Technik des Deep Learning, "Fake" für die Fälschung. Diese Seite erklärt ohne Fachchinesisch, was Deepfakes sind, welche Arten es gibt und wie sie funktionieren.

Der Begriff ist noch jung. Er entstand 2017 in einem Online-Forum, in dem ein Nutzer namens "deepfakes" mit KI Gesichter in Videos austauschte. Aus diesem Nutzernamen wurde die Bezeichnung für ein ganzes Phänomen - und aus einer technischen Spielerei innerhalb weniger Jahre eine ernstzunehmende Bedrohung für Unternehmen, Privatpersonen und die öffentliche Meinungsbildung.

Die vier Arten von Deepfakes

Wenn die meisten Menschen "Deepfake" hören, denken sie an gefälschte Videos. Tatsächlich umfasst der Begriff vier Kategorien, die sich in Aufwand, Verbreitung und Gefährlichkeit unterscheiden.

Video-Deepfakes

Die bekannteste Form: Das Gesicht einer Person wird in einem Video durch ein anderes ersetzt (Face-Swap), oder eine Person wird dazu gebracht, Dinge zu sagen und zu tun, die nie stattfanden. Die spektakulärsten Betrugsfälle - etwa gefälschte Videokonferenzen mit vermeintlichen Führungskräften - fallen in diese Kategorie. Video-Deepfakes sind am aufwendigsten, aber auch am überzeugendsten.

Bild-Deepfakes

Vollständig KI-generierte oder manipulierte Standbilder. Sie reichen vom harmlosen viralen Bild bis zu gefälschten "Belegen", die in Betrugsmaschen eingesetzt werden, und zu missbräuchlichen Bildmontagen. Weil sie unbewegt sind, fehlen ihnen die verräterischen Bewegungsartefakte von Videos - dafür lassen sie sich in Sekunden erzeugen.

Audio-Deepfakes (Voice-Cloning)

Die am meisten unterschätzte und zugleich am schnellsten wachsende Kategorie. Mit wenigen Sekunden Audiomaterial lässt sich eine Stimme überzeugend klonen. Weil am Telefon ohnehin schlechte Tonqualität normal ist, fallen kleine Fehler kaum auf - das macht Voice-Cloning zum bevorzugten Werkzeug für Betrugsanrufe, vom gefälschten Chef bis zum "Enkeltrick 2.0".

Text-Deepfakes

Der Vollständigkeit halber: KI-generierte Texte, die den Schreibstil einer bestimmten Person oder Institution imitieren - etwa täuschend echte Phishing-Nachrichten. Im engeren Sinn zählen sie nicht immer zu den Deepfakes, gehören aber zum selben Werkzeugkasten der KI-gestützten Täuschung.

Was Deepfakes von normaler Bildbearbeitung unterscheidet

Medien wurden schon immer manipuliert - Retusche ist so alt wie die Fotografie, und Hollywood beherrscht visuelle Tricks seit über einem Jahrhundert. Was ist also neu?

Zwei Dinge. Erstens die Zugänglichkeit: Was früher Spezialwissen, teure Software und viel Zeit erforderte, gelingt heute mit frei verfügbaren Werkzeugen und minimalem Aufwand. Die Fälschung ist demokratisiert worden - im Guten wie im Schlechten. Zweitens die Natur der Fälschung selbst: Klassische Bildbearbeitung verändert eine vorhandene Aufnahme. Ein Deepfake erschafft etwas, das es nie gab.

Dieser Unterschied ist entscheidend, weil er unsere Grundannahme über Fotos und Videos aushebelt. Jahrzehntelang galt: Ein Video zeigt, dass etwas tatsächlich geschehen ist. Genau diese Beweiskraft lösen Deepfakes auf.

Wie funktionieren Deepfakes technisch?

Man muss kein Informatiker sein, um das Grundprinzip zu verstehen. Im Kern lernen KI-Systeme aus vielen Beispielen die charakteristischen Muster einer Person - die Form eines Gesichts, die Mimik, den Klang einer Stimme - und erzeugen daraus neue, künstliche Inhalte, die diese Muster reproduzieren.

Bei einer verbreiteten Methode arbeiten dabei zwei KI-Systeme gegeneinander: Das eine erzeugt Fälschungen, das andere versucht, sie als Fälschung zu entlarven. In unzähligen Durchläufen verbessert sich der Fälscher so lange, bis der Prüfer die Fälschung nicht mehr erkennt. Das Ergebnis ist ein System, das immer überzeugendere Fälschungen produziert. Neuere Verfahren erzeugen Inhalte auf andere Weise, folgen aber demselben Grundgedanken: aus Beispielen lernen, um Neues zu erschaffen, das echt wirkt.

Das Rohmaterial für dieses Training liefern wir oft selbst. Öffentliche Fotos, Videos von Vorträgen, Podcast-Auftritte, Social-Media-Clips - all das ist Trainingsmaterial. Bei Personen des öffentlichen Lebens und bei Führungskräften ist meist mehr als genug davon frei verfügbar.

Warum Deepfakes zum Sicherheitsthema geworden sind

Solange Deepfakes Spielerei waren - der tanzende Prominente, das lustige Face-Swap -, waren sie vor allem ein kurioses Phänomen. Zum Sicherheitsthema wurden sie, als drei Dinge zusammenkamen: Die Qualität wurde so gut, dass Menschen Fälschungen nicht mehr zuverlässig erkennen. Die Werkzeuge wurden so zugänglich, dass praktisch jeder sie nutzen kann. Und Kriminelle erkannten das Potenzial für Betrug.

Heute reicht die Bandbreite von millionenschwerem Überweisungsbetrug in Unternehmen über Erpressung mit gefälschten kompromittierenden Aufnahmen bis zu politischer Desinformation. Konkrete Beispiele analysiere ich in den Fallanalysen. Warum unser Gehirn so anfällig für diese Art der Täuschung ist, erklärt der Beitrag zur Psychologie der Täuschung.

Häufige Fragen zu Deepfakes

Sind Deepfakes illegal?

Die Technik selbst ist nicht verboten, und es gibt legitime Anwendungen - etwa in Film, Kunst und Forschung. Illegal wird es durch den Zweck: Betrug, Erpressung, Verleumdung oder die Verletzung von Persönlichkeitsrechten sind strafbar, unabhängig davon, mit welchem Werkzeug sie begangen werden. Der europäische AI Act führt zudem Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte ein. Eine genauere Einordnung finden Sie im Bereich Recht.

Wie erkennt man einen Deepfake?

Mit bloßem Auge immer schlechter. Früher halfen Hinweise wie unnatürliches Blinzeln oder seltsame Bildränder - moderne Deepfakes zeigen solche Fehler oft nicht mehr. Deshalb verlagert sich der Schutz weg vom "genau Hinschauen" hin zu Prozessen: Wer eine verdächtige Anweisung über einen unabhängigen zweiten Kanal verifiziert, ist sicher, egal wie gut die Fälschung ist. Mehr dazu im Bereich Erkennen & Schützen.

Wie viel Material braucht man, um einen Deepfake zu erstellen?

Weniger, als die meisten denken. Für einen überzeugenden Stimmklon genügen je nach Werkzeug wenige Sekunden Audiomaterial. Für Video-Deepfakes ist mehr nötig, aber bei Personen mit öffentlichem Auftreten ist ausreichend Material meist frei verfügbar.

Was ist der Unterschied zwischen Deepfake und Cheapfake?

Ein Deepfake nutzt KI, um Inhalte zu erzeugen. Ein Cheapfake (oder Shallowfake) kommt ohne KI aus - etwa ein echtes Video, das nur verlangsamt, beschleunigt oder aus dem Kontext gerissen wird. Cheapfakes sind technisch simpel, aber keineswegs harmlos: Weil sie leichter zu erstellen sind, sind sie sogar weiter verbreitet.

Weiterführend auf deepfake.de

Norbert Hofmann, Cyber Defense Analyst und Betreiber von deepfake.de

Norbert Hofmann

Cyber Defense Analyst

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